Kostroma
Eine Stadt, die zur Wolga hin abfällt, mit einem Markt, in dem eine Kirche steht, und einer Elchfarm vor den Toren, die bis heute Elchmilch als Heilmittel gewinnt.
Kostroma begreift man vom Wasser her. Die Stadt fällt zur Wolga hin ab, das heißt: Jeder Gang durchs Zentrum ist ein Gang bergab zum Fluss. Und wenn du mit dem Schiff kommst, siehst du das Ipatios-Kloster, bevor du die Stadt siehst. Es steht draußen am Nordrand, genau dort, wo die Kostroma in die Wolga mündet.
Ein Markt mit einer Kirche mittendrin
Die Handelsreihen sind der Ort, an den du zurückgehen wirst. Ab 1789 gebaut, ein geschlossenes Rechteck von 110 mal 160 Metern, Arkade an Arkade. Das Ungewöhnliche: An der Stelle stand schon die Erlöserkirche von 1766. Statt sie abzureißen, haben die Baumeister sie eingebaut. Ihr 42 Meter hoher Glockenturm steht heute mitten in einer Ladenzeile.
Das musst du dir vorstellen: Du gehst zwischen Marktständen entlang, und über dir läutet ein Kirchturm, der zum selben Bauwerk gehört wie die Läden.
Was du sonst gesehen haben solltest
- Das Ipatios-Kloster: In der Dreifaltigkeitskathedrale ist 1685 von der Werkstatt des Ikonenmalers Gurij Nikitin jede Wand und jedes Gewölbe bemalt worden. Kein einzelnes Bild, ein durchgehender Zyklus. In den Romanow-Kammern nebenan wohnte 1613 ein Sechzehnjähriger namens Michail, als die Moskauer Gesandtschaft kam und ihn zum Zaren machte.
- Der Grüne Turm am Kloster stammt aus dem 17. Jahrhundert und erinnert an den Auszug Michails zur Zarenkrönung 1613. Für den Besuch Katharinas II. entstanden 1767 die eigenen Katharinentore am Nordeingang des Klosters, zwei verschiedene Bauteile, die gern verwechselt werden.
- Der Feuerwachturm von 1825 sieht aus wie ein antiker Tempel mit Säulenportikus. Er war eine Feuerwache.
- Die Kostromskaja Sloboda, gleich hinter der Klostermauer: rund dreißig Holzbauten vom 16. bis 19. Jahrhundert, versetzt an die Flussmündung.
Der Fächer, den es nie gab
Kostromas Straßen laufen strahlenförmig auf einen Platz an der Wolga zu, ein Fächergrundriss, festgelegt im Generalplan von 1781. Dazu erzählt man sich seit Generationen: Katharina II. sei gefragt worden, wie sie die Stadt haben wolle, und habe ihren Fächer aufgeklappt.
Die Lokalhistorikerin Larissa Sisinzewa ist der Sache nachgegangen und hat in keiner Quelle einen Hinweis auf den Fächer gefunden. Der Grundriss ist echt, der Fächer ist erfunden. Und das ist das Schöne daran: Die Legende erklärt nichts, aber sie beschreibt genau, wie die Stadt aussieht, wenn man auf den Plan schaut.
Und der runde Grünplatz in der Mitte des Sussanin-Platzes? Den nennen die Einheimischen Skoworodka, Bratpfanne.
Die Elchfarm, die nicht die einzige ist, aber die wichtigste
25 Kilometer östlich, beim Dorf Sumarokowo, steht seit 1963 die Kostromaer Elchfarm. Die allererste Versuchsfarm der Welt lag schon 1949 weiter nördlich, im Petschora-Ilytsch-Reservat. Sumarokowo war also nicht die erste und ist auch nicht die einzige. Was die Farm heute für sich beanspruchen kann: Sie ist der einzige Betrieb in Russland, der Elchmilch stabil und in medizinisch genutzter Menge gewinnt.
Die Tiere leben weitgehend wie in freier Wildbahn. Die Elchkühe kommen von selbst zum Melken zurück, die Kälber werden zunächst mit Elchmilch, später mit Ersatzfutter aufgezogen. Besucher werden das ganze Jahr über eingelassen, täglich zwischen zehn und drei.
Eine Stadt, in der ein Kirchturm zum Marktgebäude gehört und die Milch aus der Elchmolkerei kommt. Kostroma erklärt sich nicht groß, es zeigt einfach her.
Käse, und warum ausgerechnet hier
„Kostromskoi“ ist ein eigener Käsetyp mit eigenem Namen: halbfest, leicht säuerlich, kleine runde Löcher, mindestens 45 Tage gereift. Die erste Käserei entstand hier 1878. Seit 2017 gibt es ein Käsemuseum in einem alten Kaufmannshaus, mit Verkostung.
Wann und wie
Mit der „Lastotschka“ ab dem Jaroslawler Bahnhof in Moskau bist du in gut vier Stunden da; auf der Straße sind es 344 Kilometer.
Komm zwischen Mai und September. So lange läuft die Wolga-Navigation, und Kostroma funktioniert nun einmal vom Wasser aus. Vom Anleger gibt es eine halbstündige Rundfahrt am Ipatios-Kloster und der Flussmündung vorbei. Die zweitbeste Zeit ist tiefer Winter: Kostroma versteht sich als Heimat der Snegurotschka, seit Ostrowski 1873 auf seinem Gut Schtschelykowo im Gouvernement das Frühlingsmärchen schrieb. Ihr Terem hat einen Raum unter null Grad, in dem alles aus Eis ist.