Kostroma
Die Stadt, in der ein Kirchturm zum Marktgebäude gehört: Wiege der Romanows, Käsehauptstadt Russlands, Heimat des einzigen Theaters der Welt, das alle Stücke Ostrowskis gespielt hat.
Kostroma begreift man vom Wasser her. Die Stadt fällt zur Wolga hin ab, das heißt: Jeder Gang durchs Zentrum ist ein Gang bergab zum Fluss. Und wenn du mit dem Schiff kommst, siehst du das Ipatios-Kloster, bevor du die Stadt siehst. Es steht draußen am Nordrand, genau dort, wo die Kostroma in die Wolga mündet.
Wofür Kostroma in Russland bekannt ist
Wenn Russen von dieser Stadt sprechen, kommen vier Dinge, und die Stadt sagt sie auch selbst über sich:
- Die Wiege der Romanows. Am 14. März 1613 nahm der junge Michail Fjodorowitsch im Ipatios-Kloster vor der Feodorowskaja-Ikone die Wahl auf den Thron an. Diese Ikone gilt bis heute als Schutzpatronin der Stadt.
- Die Hauptstadt der Goldschmiede. In Krasnoje an der Wolga, nach Angabe des Museum-Reservats dem überlieferten Mittelpunkt der russischen Goldschmiedekunst, entstand das Gewerbe im 9. Jahrhundert. Aus der Lehrwerkstatt für Gold- und Silberarbeit von 1904 ging die Krasnojer Skan hervor, ein Geflecht aus feinstem Draht.
- Die Käsehauptstadt. Ein eigener Käsetyp mit eigenem Namen, und 2019 ließ die Oblast das Warenzeichen „Kostroma Syrnaja” eintragen.
- Das Theater. Das Gebietstheater trägt den Namen Alexander Ostrowskis, ist nach Angabe der Stadtverwaltung 1808 gegründet und das einzige Theater der Welt, in dem alle Stücke Ostrowskis aufgeführt worden sind.
Ein Marktviertel, kein Marktplatz
Die Handelsreihen sind der Ort, an den du zurückgehen wirst. Fleisch, Kram, Tabak, Lebkuchen, Fisch: für jede Ware eine eigene Reihe. Mehr als zwanzig dieser Gebäude sind erhalten, was das Museum-Reservat eine große Seltenheit für russische Städte nennt und die Stadtverwaltung einen der größten erhaltenen Handelskomplexe Russlands aus dem späten 18. Jahrhundert.
Benutzt wird das alles bis heute. In den Läden wird verkauft, und im dritten Bau der Fischreihen sitzt seit 2010 die Gemäldegalerie des Museums. Zwischen den Ladenzeilen steht ein Kirchturm, denn hier stand schon eine Kirche, bevor die steinernen Reihen kamen: Spas w Rjadach, als hölzerner Bau bereits 1628 erwähnt.
Was du sonst gesehen haben solltest
- Das Ipatios-Kloster: In der Dreifaltigkeitskathedrale hat 1684 eine Kostromaer Artel unter Gurij Nikitin und Sila Sawin den ganzen Hauptraum ausgemalt. Am Ende des Ornamentbands an der Nordwand haben sich die Maler selbst eingetragen, neunzehn Meister mit Namen.
- Die Kostromskaja Sloboda, gleich hinter der Klostermauer: 32 Holzbauten aus der ganzen Oblast, seit 1955 an die Flussmündung versetzt. Darunter Kirchen von 1700 und 1713 sowie Banjas auf Pfählen, die ohne Schornstein geheizt wurden.
- Die Feuerwache von 1826, die die Stadtverwaltung „zu Recht das Symbol Kostromas und der Oblast” nennt. Heute sitzt darin das Exkursionsbüro des Museums.
- Der Sussanin-Platz, von dem acht Straßen strahlenförmig weglaufen. Den runden Grünplatz in der Mitte nennen die Kostromaer Skoworodka, Bratpfanne.
- Die Auferstehungskirche auf der Debrja, von der Stadtverwaltung als anerkanntes Meisterwerk der russischen Architektur des 17. Jahrhunderts geführt. Sie datiert den Bau auf 1652, die Orthodoxe Enzyklopädie auf 1645.
Die Elchfarm und das Tonband
Vor der Stadt, beim Dorf Sumarokowo im Rajon Krasnoje, liegt die Kostromaer Elchfarm des staatlichen Naturschutzgebiets „Sumarokowski”. Domestiziert wird dort seit 1963, das erste auf der Farm geborene Kalb kam im Mai 1970 zur Welt.
Die Tiere leben weitgehend wie in freier Wildbahn, und gemolken wird zweimal am Tag, von 6 bis 12 und von 18 bis 24 Uhr. Die Elchkühe kommen meist von selbst. Wenn nicht, schalten die Melkerinnen einen Lautsprecher ein, und auf dem Band sind ein Pionierhorn und die Stimmen aller Melkerinnen, die je auf der Farm gearbeitet haben. Der Grund, den die Farm selbst angibt: Die Tiere reagieren am besten auf die Stimme ihrer ersten Melkerin. Wer trotzdem liegen bleibt und auf eine eigene Einladung wartet, wird geholt. Jedes erwachsene Tier trägt einen Funksender am Halsband, und die Melkerin geht mit Peilgerät und Trense in den Wald.
Besucher werden täglich von 10:00 bis 15:00 eingelassen, die Führung dauert je nach Jahreszeit von einer halben bis zu knapp anderthalb Stunden. Milch gibt es ab Juni, nach Angabe der Farm zu 2000 Rubel je Liter, eine Kostprobe von 50 Gramm für 100 Rubel. Das Museum der Goldschmiedekunst in Krasnoje liegt im selben Rajon, beides zusammen ist ein guter Tagesausflug.
Eine Stadt, in der ein Kirchturm zum Marktgebäude gehört und die Milch aus der Elchmolkerei kommt. Kostroma erklärt sich nicht groß, es zeigt einfach her.
Der Kreml, der zurückkommt
Auf dem Hügel über dem Fluss stand jahrhundertelang der Kostromaer Kreml. Seit dem Besuch des Patriarchen im Sommer 2015 wird er wieder aufgebaut, angefangen mit dem Glockenturm. Die Kathedrale ist inzwischen in Betrieb, und für den Kreml gibt es Führungen mit Voranmeldung. Wer in einigen Jahren wiederkommt, sieht eine andere Silhouette als heute.
Wann und wie
Die Stadtverwaltung gibt die Entfernung nach Moskau mit 340 Kilometern an. Wie du die Bahnverbindung selbst prüfst, steht im Beitrag über das Bahnfahren in Russland.
Komm zwischen Mai und September. Kostroma funktioniert nun einmal vom Wasser aus. Die beste Woche ist Ende August: Am 29. August zieht die ganze Stadt in einer Prozession von der Kathedrale hinaus zur Kirche Spas-na-Saprudne, dorthin, wo die Ikone gefunden wurde. Die Tradition ist 1990 wieder aufgenommen worden. In denselben Tagen läuft das Feuerwerksfestival „Silberne Barke”, das nach Angabe der Stadtverwaltung zweimal als bestes pyrotechnisches Schauspiel Russlands ausgezeichnet worden ist.
Die zweitbeste Zeit ist tiefer Winter: Von Dezember bis April wohnt die Residenz der Snegurotschka auf dem Gut Schtschelykowo in der Oblast, im Blauen Haus, das Ostrowskis Tochter Maria Schatelen gebaut hat.
Mehr dazu
Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Kostroma: die Stadt, die alle Stücke Ostrowskis gespielt hat.
Stand dieses Porträts: 24. August 2026. Quellen, alle russisch: das Kostromaer Museum-Reservat zu seinen Gebäuden und zum Museum der Goldschmiedekunst in Krasnoje, die Stadtverwaltung Kostroma zur Stadt, ihrem Theater und ihren Wahrzeichen, die Orthodoxe Enzyklopädie zum Ipatios-Kloster, das Kulturministerium der Russischen Föderation zur Kirche in den Reihen, die Kostromaer Metropolie zur Feodorowskaja-Ikone und zum Wiederaufbau des Kreml, das Naturschutzgebiet „Sumarokowski” zur Geschichte der Farm, zum Melken und zum Besuch, das Tourismusportal der Oblast zum Käse sowie das Museum-Reservat Schtschelykowo. Preise und Zeiten ändern sich; prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.