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Die Elias-Kirche in Jaroslawl mit grünen Kuppeln und zwei Zelttürmen

Jaroslawl

Die Stadt, deren ganzer Kern auf der Welterbeliste steht: ein Erntefeld als Kirchenfresko, der größte Kachelrahmen Russlands und das erste Theater des Landes.

Jaroslawl ist die größte Stadt am Goldenen Ring und liegt an der Wolga. 563.704 Menschen leben hier, und sie heißen Jaroslawzy; die Frau dazu heißt Jaroslawna, wie in der alten Dichtung. „Jaroslawzy sind allesamt schön“, zitiert die Tourismusverwaltung der Oblast den Reim, mit dem die Stadt sich selbst vorstellt. Die Wolga ist hier schon breit, von der Uferpromenade sieht man Frachtkähne ziehen.

Im 17. Jahrhundert war Jaroslawl nach Moskau die zweitgrößte Stadt des Landes, und 1612 für vier Monate faktisch die Hauptstadt. Der Reichtum der Kaufleute ist der direkte Grund für alles, was man hier ansieht: Sie überboten einander im Kirchenbau. Die Tourismusverwaltung der Oblast nennt Jaroslawl heute die Hauptstadt des Goldenen Rings, und das ist mehr als eine Redensart, denn die Geschäftsstelle des Städtebunds Goldener Ring sitzt tatsächlich hier.

Der Stadtkern selbst steht auf der Liste

Jaroslawl steht seit 2005 auf der UNESCO-Welterbeliste, und zwar nicht wegen einzelner Kirchen, sondern als Städtebaudenkmal. Die Stadtverwaltung schreibt, es sei die dritte russische Stadt auf dieser Liste gewesen, nach Petersburg und Nowgorod, und in der Welterbezone lägen 140 Baudenkmäler.

Was da eingetragen wurde, ist ein Gedanke: Der Regelplan von 1778, bestätigt von Katharina II., machte die Elias-Kirche zum Mittelpunkt eines Platzes, von dem die Straßen strahlenförmig zu den alten Stadttoren führen. Diese radial-ringförmige Anlage ist bis heute erhalten. Du siehst hier also kein einzelnes Haus an, du gehst durch einen Entwurf hindurch.

Ein Erntefeld an einer Kirchenwand

Die Elias-Kirche in der Mitte dieses Plans bauten sich zwischen 1647 und 1650 die Kaufmannsbrüder Wonifati und Ioanniki Skripin. Das Kulturportal der Oblast nennt sie das bekannteste Wahrzeichen Jaroslawls, das Museum eines der bekanntesten.

Ausgemalt wurde der Hauptraum in knapp drei Sommermonaten des Jahres 1680, von einer Gruppe aus fünfzehn Malern unter Guri Nikitin und Sila Sawin. Beide kamen aus Kostroma, und das Museum nennt sie in der alten Formel: „Isographen der Stadt Kostroma“.

An der Südwand läuft ein Zyklus zum Propheten Elischa, und darin steckt eine Szene, die im Alltag nur „Die Ernte“ heißt: Bauern beim Roggenschnitt. Das Museum schreibt, ohne dieses Bild komme keine einzige Veröffentlichung über Jaroslawl aus. Du stehst vor einem Kirchenfresko und siehst ein russisches Erntefeld.

Wichtig: Die Kirche ist unbeheizt und öffnet täglich von 9:00 bis 21:00, aber nur in der warmen Jahreszeit, und an Regentagen bleibt sie zu. Der Eintritt kostet 250 Rubel.

Der größte Kachelrahmen des Landes

Am gegenüberliegenden Ufer der Kotorosl liegt das Kirchenensemble von Korowniki. Die Johannes-Chrysostomos-Kirche entstand zwischen 1649 und 1654 auf Kosten der Brüder Neschdanowski aus der Vorstadt, deren Grab bis heute in der Südgalerie liegt. Dazu kamen eine Winterkirche, ein Glockenturm und ein Heiligentor, das zur Wolga zeigt.

Das Konkrete: Das Fenster der mittleren Altarapsis ist von einem Kachelrahmen von rund acht mal fünf Metern eingefasst, aus mehrfarbigen glasierten Fliesen zusammengesetzt. Das Kulturportal der Oblast nennt ihn den größten seiner Art in Russland. Bei tiefstehender Nachmittagssonne glänzt er.

Und das Ensemble ist von vornherein für den Blick vom Wasser gebaut worden: Es zieht sich am flachen Ufer entlang und ergibt die Ansicht, die man vom Schiff aus hat. Seit 1992 gehört es der altgläubigen Kirche.

Was die Stadt herstellt

  • Die Jaroslawler Kachel führt das Kulturportal der Oblast als „Symbol Jaroslawiens“. Gebrannt wurde sie in achtzehn Werkstätten der Vorstadt Korowniki, also genau dort, wo heute der Kachelrahmen sitzt. Erst grün glasiert, später mehrfarbig. Kaufen kann man sie im Handwerksraum „ArtEl“ an der Slatoustinskaja, und bemalen im Museum: Im September 2026 steht dort ein Kurs im Programm, 700 Rubel.
  • Die Jaroslawler Majolika, die Bemalung von Keramik in der Bildsprache des russischen Lubok, steht auf derselben Markenliste.
  • Mitnehmen kann man außerdem Schokolade des Hauses „Sobranije“ und die Filzstiefel der örtlichen Fabrik, die das Tourismusportal der Oblast als kreativ führt.
  • Probieren lässt sich die regionale Küche auch im Museum: Die Ausstellung „Tafel auf Jaroslawler Art“ erzählt, was hier auf den Tisch kam, 200 Rubel.

Das erste russische Theater

Das erste ständige Berufstheater Russlands entstand 1750 in Jaroslawl, gegründet von Fjodor Wolkow, dem Stiefsohn eines Lederfabrikanten. Das Haus selbst schreibt in seiner Chronik, gespielt worden sei zuerst in einer umgebauten Lederscheune. Ein Jahr später stand am Wolgaufer bereits ein eigenes Theatergebäude.

Sein erstes Werk steht übrigens bis heute in einer Kirche: Volkow stiftete die Zarentore und die Ikonostase für Nikola Nadein, gleich hinter der Wolgapromenade. Die Kirche gehört zum Museum, der Eintritt kostet 200 Rubel; mittwochs und donnerstags bleibt sie zu.

Das heutige Theater am Wolkow-Platz stammt von 1911, entworfen von Nikolai Spirin. Führungen stehen fast täglich um 16:00 im Spielplan, und einmal im Jahr kommt das ganze Land her: Das Internationale Wolkow-Festival läuft 2026 vom 19. bis zum 26. September.

Ein Stadtrundgang für tausend Rubel

Auf dem 1000-Rubel-Schein der Serie von 1997, seit dem 1. Januar 2001 im Umlauf, ist Jaroslawl abgebildet. Vorderseite: das Denkmal für Jaroslaw den Weisen und die Kasaner Kapelle. Rückseite: der Glockenturm und die Johannes-der-Täufer-Kirche in Toltschkowo.

Seit dem 26. Dezember 2025 gibt es einen neuen 1000-Rubel-Schein mit Motiven aus Nischni Nowgorod, die alten Scheine bleiben aber gültig und weiter im Umlauf. Den Stadtrundgang mit dem Geldschein in der Hand kannst du also nach wie vor machen, nur eben mit den älteren Noten.

Diese Kirche kann man vom Zentrum aus nicht einmal sehen, sie steht jenseits der Kotorosl im ehemaligen Gerberviertel. Innen ist sie gerade wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, von außen sieht man ihr trotzdem an, warum sie es auf einen Geldschein geschafft hat. Sie hat fünfzehn Kuppeln, und das war ein bewusster Regelbruch: Die Seitenkapellen sind ebenso hoch wie der Hauptbau und tragen jeweils eigene Fünf-Kuppel-Gruppen.

Ein Weg, dem man einfach folgt

Wer nicht planen mag, geht den Bärenpfad. Er ist ausgeschildert, 6,3 Kilometer lang und dauert etwa zweieinhalb Stunden; er beginnt an der Mauer des Museum-Reservats und endet an der Rotunde über der Wolga. Unterwegs liegen die Metropolitenpalate, die Aussicht auf der Strelka, die Elias-Kirche, der Gostiny Dwor und das Wolkow-Theater, und in der UNESCO-Zone stehen Stelen mit Audioguide.

Seine erste Station ist der Nullkilometer des Goldenen Rings: ein Zeichen an der Rewoluzionnaja, von dem aus die Entfernungen zu den anderen Ringstädten gerechnet werden.

Gegessen und gesessen wird auf der Kirowa, der Fußgängerstraße mitten im Zentrum, an der auch die Bärenskulptur von Nikolai Muchin steht. Und wer mit Kindern kommt: Der Jaroslawler Zoo in Schewelucha ist nach eigener Auskunft der erste Landschaftszoo Russlands, über 123 Hektar groß, und die Gehege dort haben die Größe von Wiesen. Die Öffnungszeiten nennt das Haus auf zwei eigenen Seiten verschieden, 9:00 bis 21:00 und 10:00 bis 17:00; ruf vor der Fahrt an.

Was hier gefeiert wird

Die Stadtverwaltung zählt mehr als fünfzig touristische Veranstaltungen im Jahr. Die vier, für die Leute aus dem ganzen Land anreisen:

  • Die Hauptmasleniza des Landes, im Spätwinter, rund 100.000 Besucher. So heißt das Fest offiziell, und unter diesem Namen führt es auch die Stadtverwaltung.
  • Der Tag der Stadt, rund 80.000 Besucher.
  • „Preobraschenije“, ein Festival für Chor- und Glockenmusik, das das Museum seit 1992 zum Verklärungsfest ausrichtet. Die Glockenkonzerte auf der Jaroslawler Glockenwand gehören fest dazu, und für Kinder gibt es einen Tag in der „wunderbaren Stadt Jablokoslawl“, der Apfelstadt.
  • „Jazz über der Wolga“, seit 1979 und damit die älteste Jazz-Biennale Russlands. Sie findet in jedem ungeraden Jahr im Frühling statt, das nächste Mal also 2027. Das Kulturportal der Oblast nennt Jaroslawl dazu die Hauptstadt des russischen Jazz.

Dazu kommt im Sommer das Stadtpicknick „Pir na Wolge“, ein Gastronomiefest, und im Dezember der Neujahrsmarkt, den die Stadt unter den zehn beliebtesten Russlands führt.

Kleinigkeiten, die den Unterschied machen

  • Das Tolga-Kloster, acht Kilometer flussaufwärts, hat hinter seiner Mauer seit dem 16. Jahrhundert einen Hain aus sibirischen Zedern, dazu die Teiche, die zu ihrer Bewässerung gegraben wurden. Das Kloster erzählt als Überlieferung, Jermak habe zwei Zedernzapfen aus Sibirien mitgebracht, Iwan der Schreckliche habe sie hierher geschenkt, und die Mönche hätten über hundert Bäume daraus gezogen. 1879 hat ein Wirbelsturm die meisten davon gefällt.
  • Das Museum „Musik und Zeit“ an der Wolga-Promenade führt die Tourismusverwaltung der Oblast als erstes privates Museum des Landes und seine Sammlung als eine der besten Antiquitätensammlungen Russlands: Glocken, Uhren, Grammophone, Musikautomaten, Samoware. Der Punkt ist: Die Dinge funktionieren, und man bekommt sie vorgeführt.
  • Der Bär im Wappen hält eine goldene Streitaxt. Dass Jaroslaw am Zusammenfluss von Wolga und Kotorosl eine Bärin mit der Axt erlegt habe, erzählt die Stadtverwaltung ausdrücklich als Überlieferung.
  • Das Riesenrad ist nach Angabe der Oblast das größte thematische seiner Art in Mittelrussland und hat 29 Beleuchtungsvarianten. Wer lieber Filmen nachläuft: In Jaroslawl sind „Afonja“ und „Doktor Schiwago“ gedreht worden.

Was der Winter kann

Die Arena-2000 an der Gagarin-Straße ist die Heimstätte des KHL-Klubs Lokomotiv. Die Eisfläche hat Weltmaß, 60 auf 30 Meter, bei Spielen passen 8.905 Zuschauer hinein, und außerhalb der Spiele gibt es öffentliches Eislaufen und Konzerte. Was der Klub für Jaroslawl bedeutet, zeigt ein Datum: Am 7. September 2011 kam die gesamte Mannschaft ums Leben. Seit 2021 zeigt die Schule Nummer 9, die den Namen des Spielers Iwan Tkatschenko trägt, eine Ausstellung mit ihrer Ausrüstung.

Wann und wie

Mit der „Lastotschka“ ab dem Jaroslawler Bahnhof in Moskau in knapp drei Stunden; auf der Straße rund 270 Kilometer über die M8.

Mai bis Anfang Oktober, wenn du die Innenräume sehen willst und der Fluss befahren wird. Die Erlöserkathedrale im Kloster ist überhaupt nur vom 1. Mai bis zum 30. September offen. Wer Licht und Leere über Innenräume stellt, kommt im Februar oder März: weiter Fluss, tiefes Licht, kaum Menschen.

Mehr dazu

Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Jaroslawl: Wo die Wolga der Stadt den Takt gibt.

Stand: 26. August 2026. Quellen, alle russisch: die Mairie der Stadt Jaroslawl zu Einwohnerzahl und Welterbe, zum Stadtplan und zum Wappen sowie zu Jaroslawl als Zentrum des Goldenen Rings und den Festen; das Jaroslawler Museum-Reservat zur Elias-Kirche, zur Tafel auf Jaroslawler Art und zu Zeiten und Preisen; das Kulturportal der Oblast zu Korowniki, zur Jaroslawler Kachel, zum Festival „Preobraschenije“, zum Jazzfestival und zum Geldschein; das Wolkow-Theater über sich selbst; die Tourismusverwaltung der Oblast zu Jaroslawl, zum Wolkow-Festival und zum Bärenpfad; der Jaroslawler Zoo und die Arena-2000 über sich selbst; die Mairie zur Arena und zur Ausstellung „Hockeybruderschaft“; das Tolga-Kloster zum Zedernhain.

Preise und Öffnungszeiten ändern sich. Prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.

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