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Die Elias-Kirche in Jaroslawl mit grünen Kuppeln und zwei Zelttürmen

Jaroslawl

Die Kaufmannsstadt an der Wolga: eine Kirche als Mittelpunkt eines Stadtplans, ein Erntefeld als Fresko und ein Kachelrahmen von acht Metern.

Jaroslawl ist die größte Stadt am Ring und die einzige an einem wirklich großen Strom. Die Wolga ist hier schon breit; von der Uferpromenade sieht man Frachtkähne ziehen.

Im 17. Jahrhundert war Jaroslawl nach Moskau die zweitgrößte Stadt des Landes, und 1612 für vier Monate faktisch die Hauptstadt. Der Reichtum der Kaufleute ist der direkte Grund für alles, was man hier ansieht: Sie überboten einander im Kirchenbau.

Eine Stadt, die als Gedanke gebaut wurde

Jaroslawl steht seit 2005 auf der UNESCO-Welterbeliste, und zwar nicht wegen einzelner Kirchen, sondern als Stadtplan.

Der Regelplan von 1778 machte die Elias-Kirche zum Mittelpunkt: Ringsum wurde die alte Bebauung abgerissen, ein großer Platz angelegt, und von der Kirche gehen strahlenförmig Straßen zu den ehemaligen Stadttoren ab. Man kann hier sehen, wie eine Kaiserin sich eine Stadt gedacht hat, und die Kirche steht mitten in diesem Gedanken.

Ein Erntefeld an einer Kirchenwand

Die Fresken der Elias-Kirche malten 1680 fünfzehn Maler unter Guri Nikitin in knapp drei Monaten. Sie bedecken den Innenraum mit rund neunhundertsiebzig Bildfeldern.

Im zweiten Register läuft ein Zyklus zum Propheten Elischa, und darin steckt eine Szene, die im Alltag nur „Die Ernte“ heißt: Bauern beim Roggenschnitt. Kunsthistorisch gehört sie zur Geschichte vom Sohn der Schunemiterin, das sagt hier aber kaum jemand, weil sich das Bild des Feldes viel stärker einprägt als der biblische Titel. Du stehst vor einem Kirchenfresko und siehst ein russisches Erntefeld.

Wichtig: Die Kirche ist unbeheizt und öffnet täglich von 9 bis 21 Uhr, aber nur in der warmen Jahreszeit, und an Regentagen bleibt sie zu. Im Winter stehst du davor.

Der Ort, den kaum jemand ansteuert

Am gegenüberliegenden Ufer der Kotorosl liegt das Kirchenensemble von Korowniki: zwei Kirchen, ein Heiligentor, ein Glockenturm, gebaut ab 1649 auf Kosten zweier Kaufleute.

Das Konkrete: Das Fenster der mittleren Altarapsis ist von einem Kachelrahmen von fünf mal acht Metern eingefasst, aus mehrfarbigen glasierten Fliesen zusammengesetzt. Es ist der größte seiner Art in Russland. Bei tiefstehender Nachmittagssonne glänzt er.

Der Glockenturm daneben ist siebenunddreißig Meter hoch und heißt seit dem 17. Jahrhundert wegen seiner schlanken Form die „Jaroslawler Kerze“.

Ein Stadtrundgang für tausend Rubel

Auf dem alten 1000-Rubel-Schein der Serie von 1997 ist Jaroslawl abgebildet. Vorderseite: das Denkmal für Jaroslaw den Weisen und die Kasaner Kapelle. Rückseite: die Johannes-der-Täufer-Kirche in Toltschkowo. Seit dem 26. Dezember 2025 gibt es einen neuen 1000-Rubel-Schein mit Motiven aus Nischni Nowgorod, die alten Scheine bleiben aber gültig und weiter im Umlauf. Den Stadtrundgang mit dem Geldschein in der Hand kannst du also nach wie vor machen, nur eben mit den älteren Noten.

Diese Kirche kann man vom Zentrum aus nicht einmal sehen, sie steht jenseits der Kotorosl im ehemaligen Gerberviertel. Innen ist sie gerade wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, von außen sieht man ihr trotzdem an, warum sie es auf einen Geldschein geschafft hat.

Sie hat übrigens fünfzehn Kuppeln, und das war ein bewusster Regelbruch: Die Seitenkapellen sind ebenso hoch wie der Hauptbau und tragen jeweils eigene Fünf-Kuppel-Gruppen statt der üblichen Zeltdächer.

Ein Museum, das man hört

Das Museum „Musik und Zeit“ an der Wolga-Promenade war 1993 das erste private Museum Russlands, gegründet von einem Illusionisten und Varietékünstler aus seiner über fünfzig Jahre gewachsenen Sammlung: Glocken, Uhren, Grammophone, Musikautomaten, Samoware.

Der Punkt ist: Die Dinge funktionieren. Man bekommt sie vorgeführt.

Das erste Berufstheater Russlands entstand 1750 in Jaroslawl, gegründet von Fjodor Wolkow. Die alte Erzählung verortet den ersten Spielort in einer Lederscheune an der Iljinskaja, neuere Forschung ist sich da nicht mehr so sicher. Fest steht: Ein Jahr später stand am Wolgaufer bereits ein eigenes Theatergebäude.

Kacheln, Zedern, ein Bär

  • Die Jaroslawler Kachel war im 17. Jahrhundert Massenware, und die Töpfereien lagen genau dort, wo heute das Kachelensemble steht. Erst grün glasiert, später mehrfarbig. Seit 1992 gibt es wieder eine Werkstatt, die diese Majolika-Technik betreibt. Man kann sie also kaufen.
  • Das Tolga-Kloster, acht Kilometer flussaufwärts, hat hinter seiner Mauer seit dem 16. Jahrhundert einen Hain aus sibirischen Zedern. Ein Zedernwald mitten in Mittelrussland, in Klostermauern. Zugang gibt es aber nur einmal im Jahr, am 21. August nach der Liturgie, den Rest der Zeit bleibt er hinter der Mauer.
  • Der Bär im Wappen hält eine goldene Streitaxt, gedeutet als Zeichen der Rurikiden. Dass Jaroslaw am Zusammenfluss von Wolga und Kotorosl eine Bärin mit der Axt erlegt habe, ist ausdrücklich Überlieferung, kein historischer Bericht.

Wann und wie

Mit der „Lastotschka“ ab dem Jaroslawler Bahnhof in Moskau in knapp drei Stunden; auf der Straße rund 270 Kilometer über die M8.

Mai bis Anfang Oktober, wenn du die Innenräume sehen willst und der Fluss befahren wird. Wer Licht und Leere über Innenräume stellt, kommt im Februar oder März: weiter Fluss, tiefes Licht, kaum Menschen.

Mehr dazu

Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Jaroslawl: Wo die Wolga der Stadt den Takt gibt.

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