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Kostroma: die Stadt, die alle Stücke Ostrowskis gespielt hat

8 Min. Lesezeit

Es gibt einen Satz, den Kostroma über sich selbst schreibt, und der bleibt hängen.

Das Gebietstheater trägt den Namen Alexander Ostrowskis. Es ist nach Angabe der Stadtverwaltung 1808 gegründet, und es ist das einzige Theater der Welt, in dem alle Stücke Ostrowskis aufgeführt worden sind. Alle. Jedes einzelne Stück, das er geschrieben hat.

Das ist mehr als eine Anekdote fürs Programmheft, denn es sagt etwas über die ganze Stadt: Kostroma hebt Dinge auf und benutzt sie weiter. Das Marktviertel wird noch heute bewirtschaftet, in einer Klosterkirche stehen die Namen der Maler von 1684 an der Wand, und die Prozession Ende August ist nach der Unterbrechung im 20. Jahrhundert wieder aufgenommen worden.

Ein Tag, der oben auf dem Platz beginnt und unten am Wasser endet.

Ein Viertel, das aus Läden besteht

Die meisten Städte haben irgendwo einen Markt. Kostroma hat ein ganzes Viertel, das nichts anderes ist: Fleischreihen, Kramreihen, Tabakreihen, Lebkuchenreihen, Fischreihen, und das Kostromaer Museum-Reservat zählt in seiner Beschreibung noch weitere auf.

Mehr als zwanzig dieser Gebäude stehen bis heute. Das Museum nennt das eine große Seltenheit für russische Städte, die Stadtverwaltung nennt die Anlage einen der größten erhaltenen Handelskomplexe Russlands aus dem späten 18. Jahrhundert. Der Generalplan sah ab 1784 hölzerne Verkaufsbuden an dieser Stelle vor, keine vierzig Jahre später standen dort steinerne, in spätem Klassizismus, Arkade an Arkade.

Was daraus geworden ist, kannst du heute abgehen, und es ist kein Freilichtmuseum. In den Läden wird verkauft. Im dritten Bau der Fischreihen sitzt seit 2010 die Gemäldegalerie des Museum-Reservats, du kannst also zwischen zwei Einkäufen Schischkin und Repin ansehen.

Mitten in der Anlage steht ein Kirchturm, und das ist kein Zufall: Hier stand schon eine Kirche, bevor die steinernen Reihen kamen. Sie heißt Spas w Rjadach, der Erlöser in den Reihen, und wird als hölzerner Bau schon 1628 erwähnt. Bezahlt hat den steinernen Nachfolger der Kostromaer Kaufmann Stefan Semjonowitsch Below, den Glockenturm entwarf der Architekt S. A. Worotilow. Was du heute siehst, ist wiederhergestellt: In den 1970er Jahren kam der Bau in den Restaurierungsplan, danach ging er an das Museum.

Der Platz, den sie Bratpfanne nennen

Vom Sussanin-Platz laufen acht Hauptstraßen strahlenförmig weg, und den runden Grünplatz in der Mitte nennen die Kostromaer Skoworodka, Bratpfanne. Die Stadtverwaltung schreibt das Wort selbst auf ihre Seite.

1767 kam Katharina II. in die Stadt, verlieh ihr das Wappen mit der Galeere „Twer” und beteiligte sich an der Annahme des Generalplans. Woher der Name Kostroma stammt, sagt dieselbe Verwaltung ehrlich nicht: Vielleicht vom Fluss. Vielleicht von der Strohpuppe, die zum Frühling verbrannt wurde. Am bekanntesten ist die Deutung von den „Kostry”, den großen Holzstapeln am Ufer, die später flussabwärts geflößt wurden. Eine Stadt, die drei Erklärungen für ihren eigenen Namen nebeneinander stehen lässt und keine davon zur Wahrheit erklärt, ist eine angenehme Gastgeberin.

Am Platz steht auch das, was die Verwaltung „zu Recht das Symbol Kostromas und der Oblast” nennt: die Feuerwache mit dem Säulenportikus, 1826. Als Nikolaus I. 1834 hier war, soll er gesagt haben: «Такой даже у меня в Петербурге нет!» So eine habe ich nicht einmal in Petersburg. Heute sitzt darin das Exkursionsbüro des Museums, und dort stellen sie dir eine Route zusammen.

Der niedrige Nachbar mit dem Portikus ist die Hauptwache von 1823 bis 1826, gebaut vom Gouvernementsarchitekten P. I. Fursow. Gegenüber das Haus des Generals Borschtschow von 1822 und das Gebäude der Gouvernementsbehörden von 1809, in dem heute das Rathaus sitzt. Neben den Handelsreihen steht das Denkmal für Iwan Sussanin, den Bauern aus der Zeit der Wirren, dessen Tat das Museum der Geschichte des Kostromaer Landes in einer eigenen Abteilung behandelt. Sein Name liegt außerdem als Messingplatte auf der Allee der Anerkennung, in Sussanino gibt es ein Zweigmuseum, und bei der Kirche von Prisskokowo liegt seine Tochter Antonida begraben.

Bergab zur Wolga, und noch einmal Ostrowski

Von jedem Punkt des Platzes führt eine Straße hinunter. Unten an der Promenade steht eine weiße Rotunde, die den Namen Ostrowskis trägt und die die Verwaltung als die bekannteste und am leichtesten wiederzuerkennende Sehenswürdigkeit der Stadt bezeichnet. Der Blick von dort geht über den Fluss.

Ostrowski selbst wohnte weiter im Land. Sein Gut Schtschelykowo liegt in der Oblast Kostroma, ist heute ein föderales Museum-Reservat, und er hat den Ort mit den besten Gegenden der Schweiz und Italiens verglichen; dort ist er auch begraben. Auf dem Gut steht das Blaue Haus, das seine Tochter Maria Schatelen gebaut hat, und von Dezember bis April wohnt darin die Residenz der Snegurotschka.

Wer die Stadt in Bewegung sehen will, kommt im August: Dann läuft das internationale Feuerwerksfestival „Silberne Barke”, das nach Angabe der Verwaltung zweimal als bestes pyrotechnisches Schauspiel Russlands ausgezeichnet worden ist. Und das Staatliche Tanzensemble „Kostroma”, das die Stadt als weltweit bekannt führt, ist hier zu Hause.

Neunzehn Namen an der Nordwand

Nachmittags über den Fluss, dorthin, wo die Kostroma in die Wolga mündet. Das Ipatios-Kloster ist der Ort, an dem die russische Geschichte einmal abgebogen ist: Am 14. März 1613 nahm hier der junge Michail Fjodorowitsch Romanow vor der Feodorowskaja-Ikone die Wahl auf den Thron an. Die Gesandtschaft hatte ihn und seine Mutter stundenlang gebeten. Seitdem heißt Kostroma die Wiege der Romanows.

In der Dreifaltigkeitskathedrale hängt die zweite Geschichte, und die ist seltener. Der Vorgängerbau flog am 29. Januar 1649 in die Luft, weil im Keller Pulver lagerte; 1650 bis 1652 entstand die heutige Kathedrale, vierpfeilig und fünfkuppelig. Danach standen die Wände fast dreißig Jahre weiß.

1684 malte eine Kostromaer Artel den ganzen Hauptraum aus, geleitet von Gurij Nikitin und Sila Sawin. Am Ende des Ornamentbands neben dem Nordportal steht ein Feld, in das sich die Maler selbst eingetragen haben. Neunzehn Meister, mit Namen: Gurij Nikitin, Sila Sawin, Wassilei Ossipow, Wassili Kosmin, und so weiter bis zu den beiden letzten, deren Namen nur noch halb lesbar sind.

Anderswo siehst du die Arbeit. Hier siehst du dazu, wer sie gemacht hat.

Ansehen solltest du außerdem den Zarenplatz an der Ostseite des südwestlichen Pfeilers. Darüber stehen Michail Fjodorowitsch und Alexej Michailowitsch gemalt, in vollem Ornat, mit Zepter und Reichsapfel in den Händen. Der Glockenturm daneben geht auf ein Vermächtnis zurück: Der Stolnik Alexei Nikititsch Godunow bestimmte um 1645 dreitausend Rubel für eine Glocke und einen steinernen Turm. Ein Inventar von 1584 zählt hier elf Glocken, und die größte wog 600 Pud, also 9,6 Tonnen.

Gleich hinter der Klostermauer beginnt die Kostromskaja Sloboda mit 32 Holzbauten aus der ganzen Oblast, darunter Kirchen von 1700 und 1713 und Banjas auf Pfählen, die ohne Schornstein geheizt wurden. Sie stehen hier, weil Anfang der 1950er Jahre der Gorki-Stausee gebaut wurde und man sie ab 1955 in Sicherheit brachte.

Am 29. August zieht die Stadt zur Saprudnja

Die Ikone, vor der 1613 der Zar gewählt wurde, ist bis heute die Schutzpatronin Kostromas. Ihre Fundgeschichte erzählt die Metropolie so: Am Vortag sahen viele Kostromaer einen Krieger mit einem Marienbild durch die Straßen gehen und erkannten in ihm den Großmärtyrer Feodor Stratilat, weil sie sein Bild aus der Kathedrale kannten. Am nächsten Tag entdeckte Fürst Wassili Jaroslawitsch, der jüngere Bruder Alexander Newskis, bei der Jagd genau dieses Bild in den Zweigen eines Baumes an der Saprudnja am Stadtrand.

Am 29. August wird das gefeiert, und zwar nicht in einem Raum: Die Stadt zieht in einer Prozession von der Kathedrale hinaus zur Kirche Spas-na-Saprudne, die an der Fundstelle steht. Die Tradition war im 20. Jahrhundert abgerissen und ist 1990 wieder aufgenommen worden.

Auf dem Hügel über der Wolga wird gerade an der Fortsetzung gebaut. Der Kostromaer Kreml ist seit dem Besuch des Patriarchen im Sommer 2015 wieder im Entstehen, angefangen mit dem Glockenturm; die Kathedrale ist in Betrieb, und durch den Kreml führen Führungen mit Voranmeldung. Wer in ein paar Jahren wiederkommt, sieht eine andere Silhouette als heute.

Was du mitnimmst

Kostroma ist eine Stadt, aus der man mit vollen Händen abreist.

  • Käse. „Kostromskoi” ist ein eigener Typ mit eigenem Namen, und die Voraussetzung dafür steht auf der Weide: eine im 19. Jahrhundert gezüchtete Kostromaer Rinderrasse, deren Milch das Tourismusportal der Oblast als den eigentlichen Grund für den Geschmack nennt. 2019 hat die Oblast das Warenzeichen „Kostroma Syrnaja” eintragen lassen und nennt sich seither Käsehauptstadt Russlands.
  • Filigranarbeit. Krasnoje an der Wolga ist nach Angabe des Museums der überlieferte Mittelpunkt der russischen Goldschmiedekunst; das Gewerbe entstand dort im 9. Jahrhundert, und aus der Lehrwerkstatt für Gold- und Silberarbeit von 1904 ging die berühmte Krasnojer Skan hervor, ein Geflecht aus feinstem Draht. Im Gebäude von damals sitzt heute ein Zweigmuseum des Museum-Reservats.
  • Elchmilch. Im selben Rajon, beim Dorf Sumarokowo, liegt die Elchfarm des staatlichen Naturschutzgebiets „Sumarokowski”. Besuch täglich von 10:00 bis 15:00, Milch ab Juni. Beides zusammen ist ein guter zweiter Tag.

Wenn du wirklich nur einen Tag hast

  • Reihenfolge: Vormittags der Platz und das Marktviertel, mittags bergab zur Promenade, nachmittags über den Fluss zum Ipatios-Kloster und in die Sloboda.
  • Auf dem Weg: Die Auferstehungskirche auf der Debrja, von der Stadtverwaltung als anerkanntes Meisterwerk geführt. Sie datiert den Bau auf 1652, die Orthodoxe Enzyklopädie auf 1645.
  • Zeitbedarf: Innenstadt und Ufer sind ein halber Tag. Kloster und Holzbaumuseum brauchen den zweiten, Elchfarm und Krasnoje den dritten.
  • Auskunft: Das Exkursionsbüro des Museum-Reservats sitzt in der Feuerwache am Sussanin-Platz.
  • Anreise: Die Stadtverwaltung gibt die Entfernung nach Moskau mit 340 Kilometern an. Wie du die Bahnverbindung selbst prüfst, steht im Beitrag über das Bahnfahren in Russland.
  • Wann: Zwischen Mai und September, dann fahren die Schiffe. Ende August kommen die Prozession und das Feuerwerksfestival zusammen. Die zweitbeste Zeit ist tiefer Winter, wegen der Snegurotschka in Schtschelykowo.

Alle Fakten zu Anreise und Reisezeit stehen kompakt im Städteporträt Kostroma.

Stand dieses Beitrags: 24. August 2026. Quellen, alle russisch: das Kostromaer Museum-Reservat zu seinen Gebäuden und zum Museum der Goldschmiedekunst in Krasnoje, die Stadtverwaltung Kostroma zur Stadt, ihrem Namen, ihrem Theater und ihren Wahrzeichen, das Kulturministerium der Russischen Föderation zur Kirche in den Reihen, die Orthodoxe Enzyklopädie zum Ipatios-Kloster und zur Eparchie Kostroma, die Kostromaer Metropolie zur Feodorowskaja-Ikone und zum Wiederaufbau des Kreml, das Naturschutzgebiet „Sumarokowski” zum Besuch der Elchfarm, das Tourismusportal der Oblast zum Käse sowie das Museum-Reservat Schtschelykowo. Öffnungszeiten und Termine ändern sich; prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.

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