Sergijew Possad
Die erste Station ab Moskau: blaue Sternkuppeln und die größte funktionierende Glocke Russlands, dazu der Ort, an dem die Matrjoschka in Serie ging.
Nordöstlich von Moskau liegt eine Kette alter Städte, die man den Goldenen Ring nennt. Der Name ist jünger als die Sache: Ein Journalist hat ihn 1967 erfunden, die Städte selbst sind achthundert Jahre älter. Was sie verbindet, ist keine Straße, sondern eine Zeit: Hier stand die Wiege dessen, woraus später Russland wurde.
Ich porträtiere sie eine nach der anderen: was man wirklich sehen sollte, was einen überrascht, und wann man am besten kommt. In der Reihenfolge unten lassen sie sich als Rundreise ab Moskau fahren.
Die erste Station ab Moskau: blaue Sternkuppeln und die größte funktionierende Glocke Russlands, dazu der Ort, an dem die Matrjoschka in Serie ging.
Ein See so groß wie ein Meeresarm und Peters einziges erhaltenes Boot. Dazu ein Stein, um den sich Legenden ranken.
Die Stadt, die man hört, bevor man sie sieht: Jede Glocke hat einen Namen, und die drei größten bilden zusammen einen Dreiklang.
Von den Palastbauten der altrussischen Teilfürstenzeit sind drei erhalten. Einer steht in Nowgorod, einer im Moskauer Kreml, und der dritte hier, gebaut von russischen Meistern.
Die Stadt, deren ganzer Kern auf der Welterbeliste steht: ein Erntefeld als Kirchenfresko, der größte Kachelrahmen Russlands und das erste Theater des Landes.
Die Stadt, in der ein Kirchturm zum Marktgebäude gehört: Wiege der Romanows, Käsehauptstadt Russlands, Heimat des einzigen Theaters der Welt, das alle Stücke Ostrowskis gespielt hat.
Vier Fünftel der russischen Bettwäsche kommen aus dieser Gegend. Und mitten in der Stadt steht ein Wohnhaus in Schiffsform, in dem seit fast hundert Jahren gewohnt wird.
305 Baudenkmäler auf neun Quadratkilometern, vier davon Welterbe, und eine Verwaltung, die ihren Bewohnern die Dachfarbe vorschreibt. An Erhaltung, sagt die Stadt über sich, habe sie nicht ihresgleichen.
Weiß und allein in der Wiese steht die Kirche an der Nerl, die russische Behörden zu Recht eine der schönsten der Rus nennen. In der Stadt dazu 1504 geschnitzte Steine an einer Kirchenwand, ein Garten aus dem 16. Jahrhundert und ein Buchfestival mit 37 000 Besuchern.