Zum Inhalt springen

Jaroslawl: Majolika, die man anfassen und selbst bemalen darf

6 Min. Lesezeit

Majolika ist bemalte Tonware mit deckender Glasur, und in Jaroslawl ist sie kein importierter Geschmack. Das Kulturportal des Gebiets führt die Jaroslawler Majolika als eigene Kulturmarke und leitet sie von der Jaroslawler Ofenkachel des 17. Jahrhunderts her. Die beliebtesten Motive, schreibt das Portal, seien Bilder des alten Jaroslawl und der Städte des Goldenen Rings.

Wer wissen will, wie so etwas gemacht wird, geht dafür nicht in ein Museumsdepot, sondern ins Depudatski-Gässchen 3. Dort steht ein Haus mit dem Namen „Majolika mit russischer Seele”, und schon dieser Name ist die erste kleine Geschichte.

Museum oder Laden

Der Städtebund des Goldenen Rings, der am 26. August 2026 Reiseveranstalter und Blogger hindurchgeführt hat, nennt es ein Museum und beschreibt es als Sammlung von Keramik aus aller Welt.

Der Betrieb selbst schreibt etwas anderes. Auf der Kontaktseite der Jaroslawler Keramikmanufaktur steht dieselbe Anschrift unter der Überschrift „Offizieller Laden „Majolika mit russischer Seele”, Depudatski-Gässchen 3, erstes Geschoss”.

Auflösen lässt sich das nur halb, und deshalb steht es hier so, wie die Quellen es hergeben. Der Betrieb nennt das Haus im Depudatski-Gässchen seinen Laden. Einen eigenen Ausstellungsraum beschreibt er an einer ganz anderen Adresse, nämlich an der Produktion in der Uglitschskaja, wo nach seinen Angaben die besten Stücke heutiger Keramikkunst stehen. Was der Städtebund als Sammlung von Keramik aus aller Welt gesehen hat, kommt in den Unterlagen des Hauses nirgends vor.

Für dich als Besucher heißt das vor allem: Hineingehen und sich umsehen kostet nichts, weil es ein Geschäft ist.

Wer dahintersteckt

Die Manufaktur arbeitet nach eigener Angabe seit 2014 in der Technik „russische Majolika”. Geführt wird sie von Schanna Galanina, die als Gründerin und Geschäftsführerin zeichnet.

Hergestellt wird das, wofür Ton taugt und was in einer Wohnung Platz findet: Figuren, Vasen und Übertöpfe, Wandbilder, Geschirr, und eben Israsy, also Ofenkacheln. Dazu, und das ist im Winterhalbjahr die halbe Auslage, Christbaumschmuck.

Die Werkstatt selbst liegt außerhalb des Zentrums, in der Uglitschskaja 7A/44.

Zwei Häuser, die man nicht verwechseln sollte

Es gibt in Jaroslawl eine zweite Adresse für Majolika, und sie ist nicht dieselbe. Als Träger der Kulturmarke „Jaroslawler Majolika” nennt das Kulturportal des Gebiets die Werkstatt der Künstler Natalja Pawlowa und Jewgeni Schepeljow, die diese Tradition nach Angabe des Portals seit 1992 wieder aufgenommen haben. Sie arbeitet in der Straße Junosti 17A und stellt Reliefs, Skulpturen, Ofenkacheln, Fensterrahmen, Geschirr und Wandbilder her.

Die Manufaktur im Depudatski-Gässchen arbeitet seit 2014 und beschreibt ihre eigene Technik als „russische Majolika”. Wer das Handwerk in seiner älteren Jaroslawler Linie sucht, geht also woandershin als der, der einen Nachmittag an der Töpferscheibe verbringen will. Beides ist Majolika, es sind nur zwei verschiedene Häuser.

Die Führung durch die Produktion

Wer sehen will, wie die Sachen entstehen, muss aus dem Zentrum heraus. Die Manufaktur führt durch ihre Keramik- und Porzellanproduktion in der Uglitschskaja 7A/44, zuerst durch die Werkstatt für die aufwendigen Stücke, dann durch den Ausstellungsraum des Hauses. Wer will, kauft am Ende direkt aus der Produktion.

Die Führung dauert 50 Minuten. Die Preise nach Angabe der Manufaktur:

GruppengrößePreis
Einzeln, bis 3 Personen4 000 Rubel für alle zusammen
4 bis 7 Personen750 Rubel je Person
7 bis 25 Personen600 Rubel je Person

Zwei Dinge sind dabei wichtig. Führungen und Meisterklassen laufen nur werktags und nur nach Voranmeldung, montags bis donnerstags von 10:00 bis 16:00 und freitags bis 15:00. Wer nur am Wochenende in Jaroslawl ist, kommt also nicht hinein. Dafür sind Kinder ab vier Jahren ausdrücklich willkommen, was in einem Produktionsbetrieb selten ist.

Selbst arbeiten statt zusehen

Der eigentliche Grund, hier länger zu bleiben, ist die Werkstatt für Meisterklassen. Sie heißt „Classceramica”, liegt in der Republikanskaja 45 und arbeitet nach Voranmeldung.

Gearbeitet wird an der Töpferscheibe oder mit den Händen, und bemalt wird in Aufglasurtechnik. Nach Angabe des Hauses braucht es dafür keine Vorkenntnisse, und es stehen über dreißig verschiedene Gegenstände zur Auswahl.

Ein paar Preise, alle nach Angabe des Hauses:

StückPreisWie gemacht
Becher als Tierfigur1 600 Rubelvon Hand geformt
Trinkglas1 600 Rubelvon Hand geformt
Teegedeck2 100 RubelTöpferscheibe
Vaseab 1 800 RubelTöpferscheibe

Insgesamt liegt eine Meisterklasse nach Angabe des Hauses zwischen 1 200 und 3 500 Rubel, je nach Stück. Zwei Brände und eine einfache Glasur in einer oder zwei Farben sind im Preis enthalten. Wer allein kommt, zahlt 1 000 Rubel Aufschlag und sitzt dafür zwei bis zweieinhalb Stunden für sich; ab fünf Personen gibt es zehn Prozent Nachlass. An der Töpferscheibe arbeiten höchstens zwei Personen gleichzeitig.

Der Haken, den du vorher kennen solltest

Dein Stück kannst du nicht mitnehmen. Es muss zweimal in den Ofen, und das dauert.

Beim Bemalen liegt die Wartezeit nach Angabe des Hauses bei drei bis sieben Tagen, an der Töpferscheibe bei bis zu vier Wochen. Für eine Reise von einer Woche heißt das: Kläre vor der Anmeldung, wohin verschickt wird. Wer das nicht bedenkt, hat einen schönen Nachmittag und danach einen Becher, der in Jaroslawl bleibt.

Praktisches

  • Laden: Depudatski-Gässchen 3, erstes Geschoss. Nach Angabe des Betriebs täglich von 10:00 bis 19:00.
  • Meisterklassen: Republikanskaja 45, nur nach Voranmeldung. Das ist eine andere Adresse als der Laden, plan die Wege getrennt.
  • Manufaktur: Uglitschskaja 7A/44, außerhalb des Zentrums. Führung 50 Minuten, nur werktags nach Anmeldung, ab vier Jahren.
  • Dauer: Für den Laden reicht eine halbe Stunde. Eine Meisterklasse solltest du mit zwei bis zweieinhalb Stunden ansetzen.
  • Für Kinder: Handformen und Bemalen gehen auch mit kleinen Kindern. Die Töpferscheibe ist wegen der Zweierbegrenzung eher etwas für Erwachsene.
  • Gleich nebenan: Das Schokoladenhaus „Sobranije” liegt in der Depudatskaja und damit ein paar Schritte entfernt.

Warum sich das lohnt, auch ohne Töpferambitionen

Weil du danach die Kirchen anders ansiehst. Ofenkacheln an einer Fassade sind aus zehn Metern Entfernung ein Muster. Wenn du eine Stunde lang selbst versucht hast, eine Glasur gleichmäßig auf gewölbten Ton zu bekommen, ist dasselbe Muster plötzlich eine Leistung.

Und es gibt wenige Mitbringsel, die besser erklären, wo man war, als eines, das man dort selbst gemacht hat. Es muss nur rechtzeitig ankommen.

Was Jaroslawl an Kirchen und an Wolga zu bieten hat, steht im Städteporträt.

Stand dieses Beitrags: 27. August 2026. Quellen, alle russisch: das Kulturportal des Gebiets Jaroslawl zur Kulturmarke „Jaroslawler Majolika”; die Jaroslawler Keramikmanufaktur über sich selbst und ihren Laden, über Anschriften und Öffnungszeiten und über die Meisterklassen mit Preisen und über die Führungen durch die Produktion; sowie der Städtebund des Goldenen Rings zum Besuchsprogramm vom 26. August 2026, der das Haus als Museum mit einer Sammlung von Keramik aus aller Welt beschreibt. Angaben über den Betrieb stammen vom Betrieb selbst. Preise und Öffnungszeiten ändern sich; prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.

Teilen Telegram WhatsApp