Jaroslawl: eine Stunde Wolga auf einem Schiff ohne Motorlärm
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Jaroslawl liegt dort, wo die Kotorosl in die Wolga geht, und die Stadt hat sich um diese Ecke herum gebaut. Vom Ufer aus siehst du das nur halb. Die Uferpromenade zeigt dir die Häuser, aber nicht die Linie, in der sie stehen.
Dafür musst du aufs Wasser, und dafür gibt es seit einiger Zeit ein Schiff, das anders fährt als die Ausflugsboote, die man kennt.
Leise auf der Wolga
Der „Belojar” ist ein zweideckiger Katamaran mit Elektroantrieb. Der Betreiber, die Aktiengesellschaft „Wodochod. Passaschirski Port”, beschreibt ihn als Schiff ohne Lärm und ohne Vibration, mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von null.
Das klingt nach Technikprospekt, ändert an Bord aber genau das, worauf es ankommt. Auf einem Dieselausflugsboot redest du gegen den Motor an, und der Geruch zieht über das Achterdeck. Hier fällt beides weg. Übrig bleibt das Wasser.
Ich bin die Strecke am 26. August 2026 mitgefahren, und es stimmt: eine Fahrt über das Wasser ohne Lärm und ohne Abgase. Das ist der ganze Unterschied, und er ist größer, als er sich liest.
Die Maße, alle nach Angabe des Betreibers: 32,5 Meter lang, 9,9 Meter breit, Reisegeschwindigkeit 15 Kilometer in der Stunde, höchstens 130 Personen. Zwei Drittel des Decks sind verglast, an Bord gibt es Klimaanlagen, Toiletten, eine Bar, einen Fernseher und eine Musikanlage. Ein Reiseführer ist an Bord und erzählt während der Fahrt.
Wie das Schiff genau heißt, darüber sind sich die Quellen übrigens nicht einig. Der Betreiber nennt es „Jacht-Elektrokatamaran”, der Städtebund „Katamaran-Elektroschiff”, die Gebietsregierung „Katamaran-Motorschiff”. Gemeint ist dasselbe Boot.
Die Fahrt
Die Route heißt „Wolga, das Herz von Jaroslawl” und dauert eine Stunde. Sie geht vom Flussbahnhof aus und kommt dorthin zurück.
Gefahren wird täglich, fünfmal: 12:00, 13:30, 15:00, 16:30 und 18:00. Die letzte Abfahrt ist im Spätsommer die interessanteste, weil du dann mit dem tiefer stehenden Licht auf die Uferseite mit den Kirchen schaust.
Die Preise nach Angabe des Betreibers, Stand Ende August 2026:
| Montag bis Donnerstag | Freitag bis Sonntag | |
|---|---|---|
| Ermäßigt | 1 000 Rubel | 1 150 Rubel |
| Voll | 1 250 Rubel | 1 400 Rubel |
Wo du einsteigst
Am Flussbahnhof, Wolschskaja Nabereschnaja 2. Der Anleger für den „Belojar” heißt „Gawan” und liegt gegenüber dem achten Anleger. Die Kassen dort haben nach Angabe des Betreibers von 9:30 bis 21:30 geöffnet, Karten gibt es auch im Netz.
Das ist der Punkt, an dem sich zwei Angaben zu widersprechen scheinen und es doch nicht tun: Regierung und Städtebund schreiben schlicht „vom Flussbahnhof”, der Betreiber nennt den Anleger beim Namen. Beides ist dieselbe Stelle.
Von demselben Steg nach Kostroma und Plios
Und hier kommt der Grund, ausgerechnet in diesen Wochen an dieses Ufer zu gehen. Am 27. August 2026 ist erstmals ein Schnellschiff auf der neuen Strecke Jaroslawl, Kostroma, Plios gefahren. Die Gebietsregierung nennt es ein Ergebnis der gemeinsamen Arbeit der Gebiete Jaroslawl, Kostroma und Iwanowo; betrieben wird es mit derselben Reederei wie der „Belojar”.
Gefahren wird mit einem Tragflügelboot vom Typ „Woschod” für 70 Passagiere, in den Kategorien Standard und Komfort, mit bis zu 60 Kilometern in der Stunde. Nach Kostroma sind das anderthalb Stunden, nach Plios zwei Stunden und vierzig Minuten.
Zwei Fahrten am Tag, nach Angabe der Gebietsregierung:
- Ab Jaroslawl 9:15, an in Plios 12:05, dazwischen zehn Minuten Halt in Kostroma. Zurück ab Plios 12:15, an in Jaroslawl 15:05.
- Ab Jaroslawl 15:15 ohne Plios, an in Kostroma 16:45. Zurück 16:55, an 18:25.
Die Kulturministerin des Gebiets, Swetlana Kostyschina, beschreibt den Sinn der Sache so: Gäste könnten sich damit eigene Umsteigerouten bauen, in jeder der Städte bleiben oder am selben Tag zurückfahren. Wer den Ring bisher mit dem Bus gefahren ist, hat damit zum ersten Mal eine Alternative auf dem Wasser. Schon früher in diesem Jahr wurde nach derselben Quelle eine Schnellverbindung nach Uglitsch mit Halt in Rybinsk und Myschkin eröffnet.
Praktisches
- Anleger: Flussbahnhof, Wolschskaja Nabereschnaja 2, Anleger „Gawan” gegenüber Anleger 8. Von der Uferpromenade zu Fuß erreichbar.
- Dauer: Eine Stunde für die Stadtrundfahrt auf dem Wasser. Für Kostroma und zurück am selben Tag brauchst du den Vormittagskurs.
- Wann fahren: Die Saison auf der Wolga endet mit dem Eis. September ist ein guter Monat dafür, weil das Licht schon flach steht und die Schiffe noch fahren.
- Was du mitnimmst: Auf dem Oberdeck ist es auch im Sommer zugig, und über dem Wasser kühlt es abends schnell ab. Eine Jacke, selbst wenn du in Hemdsärmeln zum Steg gehst.
- Für Gruppen: Der Betreiber nennt 80 Plätze für ein Bankett und 100 für einen Empfang, das Schiff lässt sich also mieten.
- Vorher prüfen: Fahrpläne auf der Wolga hängen am Wasserstand und am Wetter. Preise und Zeiten stehen beim Betreiber und an der Kasse am Anleger.
Was du vom Wasser aus siehst
Städte an großen Flüssen sind für die Ansicht vom Fluss gebaut worden, nicht für die vom Bürgersteig. Wer eine Kirche in Jaroslawl vom Ufer aus fotografiert, bekommt eine Fassade. Wer dieselbe Kirche von der Wolga aus sieht, bekommt die Antwort auf die Frage, warum sie genau dort steht.
Auf einem Schiff, das dabei nicht knattert, hört man außerdem, wie leise so eine Stadt vom Wasser aus ist.
Wo Jaroslawl sonst noch am Wasser liegt und was es an Land gibt, steht im Städteporträt Jaroslawl.
Stand dieses Beitrags: 27. August 2026. Quellen, alle russisch: die Aktiengesellschaft „Wodochod. Passaschirski Port” als Betreiberin zum Schiff, zur Route mit Fahrplan und Preisen und zu den Anlegern, die Regierung des Gebiets Jaroslawl zur neuen Schnellverbindung nach Kostroma und Plios und zur Fahrt der Reiseveranstalter sowie der Städtebund des Goldenen Rings. Fahrpläne und Preise ändern sich; prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.